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Fachzeitschrift

Der Verein

Mutismus Selbsthilfe Deutschland e.V.

Ein junger Familienvater sitzt zu Hause mit seiner kleinen blondhaarigen Tochter auf dem SchoĂź vor einem Laptop
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Wenn selektiver Mutismus falsch verstanden wird

Es wird Zeit, mit einem Mythos aufzuräumen: Kinder mit selektivem Mutismus wollen nicht schweigen – sie können in bestimmten Momenten einfach nicht sprechen. Mutismus ist keine Macke, kein Trotz und erst recht keine Schüchternheit, sondern eine Angstreaktion, die den Körper regelrecht blockiert. Und solange dieser Mythos weiter herumgeistert, fühlen sich betroffene Kinder und ihre Familien völlig unnötig unter Druck gesetzt.

Was wir immer wieder erleben und warum es uns nicht loslässt

Warum wir das so klar sagen? Weil wir seit Jahren immer wieder dasselbe erleben – in Gesprächen mit Betroffenen, Familien und Fachleuten. Kinder wollen sprechen und tun es auch, sobald sie sich sicher fühlen. Aber sobald ein bestimmter Mensch oder eine bestimmte Situation auftaucht, klappt der Zugriff auf die eigene Stimme einfach weg. Der Körper schaltet in eine Art inneres Einfrieren, das sich niemand aussucht. Genau deshalb richten Missverständnisse so viel Schaden an. Wenn Kinder für ihr Schweigen beschämt oder gedrängt werden, wird die Angst nur größer. Und wir sehen immer wieder, wie sehr das Selbstwertgefühl darunter leidet. Gleichzeitig merken wir, wie viel Druck abfällt, sobald klar ist: Das Schweigen ist Angst – kein Trotz, keine „Phase“, nichts, wofür man sich schämen müsste. Ab da kann Veränderung überhaupt erst anfangen.

Ein Netzwerk, das versteht, wovon es spricht

Wir sind die Mutismus Selbsthilfe Deutschland e.V., ein Netzwerk aus Menschen, die das Schweigen aus eigener Erfahrung kennen und aus Fachleuten, die seit Jahren damit arbeiten. Unser gemeinsamer Antrieb ist derselbe: Kindern, Jugendlichen, Eltern und Pädagog:innen zu helfen, Mutismus sicher zu erkennen und einen Weg daraus zu finden. Für uns geht es darum, Orientierung zu geben, Missverständnisse aus dem Weg zu räumen und zu zeigen: Niemand muss mit diesem Thema alleine kämpfen.

Warum wir uns einsetzen – jeden Tag, seit vielen Jahren

Warum wir uns so intensiv mit Mutismus beschäftigen? Ganz einfach: weil wir immer wieder erleben, wie viel Leid durch falsche Zuschreibungen entsteht. Viele von uns kennen Mutismus aus eigener Erfahrung oder aus der engen Begleitung von Familien. Andere arbeiten seit Jahren fachlich damit und sehen täglich, wie oft Mutismus übersehen oder falsch eingeordnet wird. Diese Mischung aus Nähe, Erfahrung und Verantwortung lässt uns nicht los – weil wir wissen, wie wichtig es ist, dass jemand hinschaut und versteht.

Momente, die uns zeigen: Es lohnt sich

Wir gehen besonders in den Momenten auf, in denen sichtbar wird, dass unser Einsatz etwas bewegt. Dazu gehören Augenblicke wie:

  • wenn ein Kind in einem sicheren Rahmen zum ersten Mal ein leises Wort hervorbringt
  • wenn eine Jugendliche erzählt, dass sie sich im Unterricht wieder traut
  • wenn ein Erwachsener zum ersten Mal hört, dass sein Schweigen keine Schuld ist
  • wenn Pädagog:innen berichten, dass sie Mutismus jetzt sicher erkennen
  • wenn Familien im Austausch merken: „Wir sind wirklich nicht allein“

Solche Momente zeigen uns jedes Mal aufs Neue, warum wir das tun und dass Verständnis Türen öffnen kann, die sonst verschlossen bleiben.

Dein nächster Schritt

Das dockt bei dir an? Dann wirf einen Blick in unsere Materialsammlung. Dort haben wir alles gebĂĽndelt, was dir Orientierung gibt und dir zeigt, welche Schritte im Alltag wirklich funktionieren.

Das sagen Menschen,
denen wir geholfen haben:

Eine Betroffene meinte:

„Ich wusste nie dass mein Schweigen einen Namen hat. Erst hier habe ich verstanden dass Veränderung möglich ist.“

Eine Mutter sagt:

„Ich habe lange versucht mein Kind zu erklären und niemand hat zugehört. Hier reicht ein Satz und man versteht uns sofort.“

Eine Kita-Erzieherin schrieb:

„Ich habe zum ersten Mal verstanden was im Inneren eines Kindes passiert wenn es verstummt. Das hat meine Arbeit verändert.“

Eine Logopädin sagte:

„Mutismus war für mich eine Unsicherheit. Jetzt ist er ein Bereich in dem ich sicher begleiten kann.“

Ein langjähriges Vereinsmitglied:

„Ich bin aus Hoffnung Mitglied geworden und aus Dankbarkeit geblieben.“

Feedback einer Webinarteilnehmerin:

„Das Webinar hat mir gezeigt wie ich kleine Schritte wirklich einschätzen kann.“

Ein UnterstĂĽtzer des Vereins:

„Euer Engagement sorgt dafür dass Betroffene frühzeitig erkannt werden und endlich die Hilfe bekommen die sie brauchen.“

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Der Beirat des Vorstandes

Mutismus Selbsthilfe Deutschland e.V.

Die GrĂĽnder des Vereins

Unser Verein, Mutismus Selbsthilfe Deutschland e.V., wurde am 08.02.2004 von dem Betroffenen Michael Lange und dem Therapeuten Dr. Boris Hartmann sowie 8 weiteren Betroffenen bzw. Therapeuten in Köln gegründet.

Chronik des Vereins

Mutismus: Wie mein Problem einen Namen bekam und daraus schlieĂźlich ein Verein wurde

Mutismus, allein schon den Begriff kennt kaum jemand, bei Autismus denkt man an den Film „Rain Man“ mit Dustin Hoffman oder mathematische Inselbegabungen, aber bitte was ist „Mutismus“? Auch mir, dessen Leben seit frühester Kindheit durch selektives oder permanentes Schweigen stark beeinflusst wurde, war dieser Begriff sehr lange völlig unbekannt. Zum Glück änderte sich das aber. Im Nachhinein könnte man sagen, dass die Erfindung des Internets mein Leben (und da bin ich sicher nicht der einzige Mutist) grundlegend zum Positiven geändert hat. Gäbe es das Internet nicht, würde ich vermutlich immer noch total schweigend mein Leben fristen und hätte wohl bis an mein Lebensende nie erfahren, dass man das, was mich in meiner Kommunikation so sehr eingeschränkt hatte, erfolgreich hätte therapieren können.

Es war 1999, als ich das erste Mal für längere Zeit im Internet surfen konnte, hier war ich beim „Chatten“, also beim „Gespräch“ mit anderen, fremden Menschen, völlig gleichberechtigt, keiner merkte, dass ich doch eigentlich gar nicht spreche. Es bereitete mir große Angst, wenn mich Menschen in der „realen Welt“ ansprachen und erwarteten, dass ich ihnen mit meinen eigenen Worten antworte. Ich konnte das einfach nicht, ich bekam schon seit meiner Kindheit kein Wort mehr heraus, ich wusste aber nie, woran das lag. Ich habe mich praktisch 30 Jahre lang für ein merkwürdiges Einzelschicksal gehalten, ein Unikum, das eben Pech gehabt hatte, weil es so ist wie es ist.

In eben jenem Jahr 1999 wurde dann alles anders, ich lernte Menschen kennen, die ich dann bald auch „wirklich“, also außerhalb des Internets, treffen wollte. Im Sommer 2000 sollte es dann so weit sein. Ich nahm mir vor, diesen Menschen nicht nur zu begegnen, sondern auch mit ihnen zu sprechen, zu sprechen mit meiner eigenen Stimme, aber ich schaffte es nicht, ich versagte auf der ganzen Linie… wieder einmal in meinem Leben. Traurigkeit und Depressionen waren die Folge, ein Freund aus dem Internet riet mir, mich professionell behandeln zu lassen. Nach wochenlangem Zögern wagte ich den Schritt, es war wie das Anrennen gegen eine meterhohe Mauer aus Angst, Trauer und Verzweiflung, aber letztlich gelang es, ich redete bereits beim ersten Behandlungstermin mit meiner Sprachtherapeutin, nicht viel, aber immerhin. Jetzt recherchierte ich ein wenig im Internet: Bin ich doch kein Einzelfall, gibt es auch andere Menschen, die mein Schicksal teilen? Siehe da, ich war tatsächlich kein Einzelfall, denn ich fand heraus, es gab und gibt allein in Deutschland tausende Menschen wie mich. Das fand ich einerseits sehr tröstlich (für mich) aber andererseits auch sehr erschreckend (für die anderen Betroffenen). Irgendwie war mir schnell klar, dass „Mutismus“, denn so hieß das, was mir die Sprache verschlug, eine sehr unbekannte Krankheit zu sein schien. Es gab nur sehr wenige Informationen und noch weniger Spezialisten, die sich mit der Therapie von Mutismus auskannten.

Um das Informationsdefizit zu lindern, registrierte ich Ende des Jahres 2000 die Internetadresse www.mutismus.de und schaltete sie im Februar 2001 online.  Ich wollte alles, was es ĂĽber „meine“ Krankheit gab, sammeln, um es anderen zur VerfĂĽgung stellen zu können. Ich dachte mir, wenn ich dabei helfen kann, dass es anderen Menschen, insbesondere Kindern, nicht so ergeht wie mir, dann tue ich etwas Wichtiges und Wertvolles in meinem ansonsten doch eher tristen und langweiligen Leben. Mir wurde aber sehr schnell klar, dass ich das nicht allein leisten kann, denn dazu war und ist die Aufgabe viel zu groĂź.  Durch die Webseite lernte ich neue Menschen kennen, Betroffene, deren Angehörige aber auch interessierte Therapeuten wie z.B. Dr. Hartmann oder Stefanie Apel. Eine kleine Gruppe fand sich zusammen und organisierte 2003 den allerersten „Mutismus-Workshop“ in Köln. Mit ĂĽber 100 Teilnehmern war das, zumindest damals, die wohl bisher größte, privat organisierte Mutismus-Informationsveranstaltung in Deutschland. Es war uns allen aber auch sehr schnell klar, schon aus organisatorischen GrĂĽnden, es musste fĂĽr die nächsten Veranstaltungen eine professionelle Basis geschaffen werden: Ein Verein.

Im Februar 2004 wurde die Mutismus Selbsthilfe Deutschland e. V. gegründet. Die Gründungsversammlung des Vereins fand in der Praxis von Dr. Boris Hartmann in Köln-Brück statt. Er hatte bereits 2001 den Kontakt zu mir aufgenommen und noch im selben Jahr war ich zu einer Intensivberatung bei ihm. Aus diesem ersten losen Kontakt zwischen ihm und mir entwickelte sich in den Folgejahren eine bis heute anhaltende persönliche Freundschaft. Ich hatte es zwar nie angestrebt, aber man wählte mich zum Vorsitzenden des Vereins, das machte mich zwar stolz, aber ich hatte auch Angst unter der Verantwortung zusammenzubrechen und wieder ins Schweigen zurückzufallen, es gab in den Folgejahren den einen oder anderen Moment, der nicht leicht war für mich und mich an den Rand eines Rückfalls brachte. Aber letztlich habe ich es dann doch irgendwie gemeistert, wohl auch, weil mir von meinen Vereinskollegen eine Menge Unterstützung und menschliche Wärme entgegengebracht wurde. Das ist auch heute noch so. Uns im Verein wird auch oft gesagt, dass unsere Tagungen einen schönen, ziemlich „familiären“ Charakter hätten und wir im Verein empfinden das natürlich als großes Kompliment. Im Jahr 2006 hielt ich vor 100 Studenten, auf Einladung der Universität Köln, einen Vortrag. Für einen Menschen, der noch 7 Jahre vorher mit Niemandem auf der Welt auch nur ein Sterbenswörtchen geredet hatte, keine üble Leistung.

Als mein Problem damals einen Namen bekam, fragte ich mich natürlich sofort, wie man dieses Problem denn nun lösen kann. Wie therapiert man Mutismus? Im Jahr 2000 war das eine Frage, die sich nicht sofort beantworten ließ, es gab noch viel zu wenig Informationsmaterial zum Thema Mutismus. „Psychologen oder Psychiater“ war eigentlich meine erste Vermutung, als es darum ging nach Therapiekonzepten und konkreten Hilfestellungen zu suchen. Überrascht wurde ich dann aber dadurch, dass auch Sprachtherapeuten und Logopäden mit dem Thema Mutismus zu tun hatten. Ich fragte mich, wie jemand, der therapeutisch hauptsächlich an und mit der Sprache arbeitet, einem schweigenden Menschen helfen und ihn oder sie heilen soll? Das wäre ja so, als wenn ein katholischer Pfarrer als Eheberater arbeitet. Schnell wurde mir aber klar, dass es natürlich doch geht und eben kein Widerspruch ist, wenn Logopäden und Sprachtherapeuten versuchen, schweigenden Menschen zu helfen, denn der Knackpunkt bei jeder Mutismus-Therapie ist es, den Patienten dazu zu bringen seine Sprache selbstbewusst und frei zu nutzen. Ist dieser „innere Schweigehund“ das erste Mal überwunden und der Betroffene aus der Angstspirale ausgebrochen, gilt es, das neu hinzugewonnene Kommunikationswerkzeug Sprache intensiv zu nutzen und zu trainieren und wer kann das besser als Logopäden und Sprachtherapeuten?

Man muss als Therapeut aber eine gewisse ideologische Offenheit mit sich bringen, um das Thema Mutismus anzugehen. Therapie streng nach Lehrbuch, egal welcher Fakultät, das funktioniert beim Mutismus nicht, oder höchst selten. Genauso wie sich Logopäden und Sprachtherapeuten dabei verhaltenstherapeutischer oder andere psychologischer und psychiatrischer Instrumente bedienen können und müssen, sollten natürlich auch die anderen Fachrichtungen logopädische und sprachtherapeutische Vorgehensweisen nutzen, wenn sie hilfreich sind. Pädagogische Scheuklappen sollten im 21. Jahrhundert endlich der Vergangenheit angehören. Mutismus ist ein Phänomen mit vielen Facetten, deswegen sind ideologische Ansätze bei einer Therapie selten hilfreich. Das, was hilft, ist gut und sollte genutzt werden, das, was nicht hilft, ist nutzlos und sollte nicht beibehalten werden, nur weil es das Lehrbuch oder die pädagogische Leitlinie so vorschreibt. Liebe Therapeuten, Ihr seid Heiler und keine Politiker, Ihr seid für die Patienten da und nicht für Euch selbst oder Eure Berufsverbände.

Wer einmal ein mutistisches Kind erlebt hat, welches letztlich sein Schweigen überwunden und seine kommunikative Freiheit wiedergefunden hat, wird wissen, wie glücklich und stolz das einen als Therapeut und Therapeutin machen kann. Aber natürlich gibt es nicht nur Kinder mit Mutismus sondern auch Jugendliche und Erwachsene. Bei diesen Personen ist die Therapie eine besondere Herausforderung, da der Patient zunächst, genau wie ich damals, davon überzeugt werden muss, einer Therapie zuzustimmen. Eine erfolgreiche Mutismus-Therapie bedarf immer einer engen Kooperation zwischen Patient und Therapeut, eine Therapie gegen den Betroffenen wird niemals funktionieren. Man muss die Mutisten also motivieren, ihnen die Sinnhaftigkeit und den Nutzen der Sprache als Teil der normalen sozialen Kommunikation und Interaktion klar machen. Leider trauen sich momentan noch nicht sehr viele Therapeuten auch Erwachsene zu behandeln. Ich vermute, dass die geschilderte psychologische Überzeugungsarbeit, die bei einem Jugendlichen oder Erwachsenen sicher wesentlich herausfordernder und auch zeitaufwändiger ist als bei Kindern, einer der Gründe ist.

Ich bekommen oft Zuschriften aus eben dieser Betroffenengruppe, dort dann konkret Hilfe anbieten zu können ist für mich schwierig, deswegen möchte ich an dieser Stelle an Sie alle als Therapeuten appellieren, auch den Patientenkreis der Erwachsenen stärker in den Focus der Aufmerksamkeit zu nehmen. Da bei Erwachsenen und Jugendlichen aber Depressionen, häufiger als bei Kindern, koinzident zum Mutismus sind, ist hier eine gute und enge Zusammenarbeit auch mit anderen Fachleuten wie Psychiatern und Psychologen sehr wichtig.

Mutismus ist heilbar, er ist keine unüberwindbare Mauer mehr. Wenn Sie als Therapeuten engagiert und mit großer Motivation an das Thema herangehen, sind Erfolgsraten von über 90 % möglich.

Trauen Sie sich, machen Sie mit!

Infomaterial

Unser Verein bietet folgende Informationsflyer zum Thema Mutismus an.

 

Flyer bestellen

Sie möchten sich oder andere Menschen über den selektiven Mutismus informieren? Wir bieten unsere Flyer im Papierformat zum Bestellen an. Sollten Sie z.B. für eine Info-Veranstaltung mehr als 10 Flyer benötigen, schreiben Sie uns einfach eine E-Mail an: flyer@mutismus.de

Wähle aus folgenden Flyern aus (Mehrfachauswahl möglich):

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