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Fachzeitschrift

Mutismus in Kita und Schule

UnterstĂŒtzung | Nachteilsausgleich | Empfehlungen fĂŒr PĂ€dagogen | Seminare 

Pfiffiger kleiner blonde Junge steht vor einer Tafel und meldet sich
Kindergartenszene - Im Vordergrund beschÀftigt sich eine Erzieherin mit einem kleinen rothaarigen Jungen, der mit dem Finger auf etwas zeigt. Im Hintergrund sieht 2 MÀdchen spielen.
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Die Gefahr ins gesellschaftliche Abseits zu geraten

Autorin: Michaela Kaiser

Bei der Behandlung von mutistischen SchĂŒlern wird grundsĂ€tzlich bereits zu Beginn der Therapie die Hilflosigkeit des Lehrpersonals im Umgang mit dem Störungsbild Selektiver Mutismus deutlich.

FĂŒr einen Großteil der mutistischen Patienten ist der Schulalltag die grĂ¶ĂŸte HĂŒrde, die sie tagtĂ€glich zu bewĂ€ltigen haben. Zu Beginn steht das Ereignis der Einschulung, auf welches monatelang hingearbeitet wird. Bereits in der ersten Klasse treffen die mutistischen Kinder auf völlig neue gleichaltrige und erwachsene Personen, vor denen und mit denen sie von heute auf morgen sprechen sollen. Und das nach mehreren Jahren des Schweigens im Kindergarten gegenĂŒber den meisten Gleichaltrigen und vor allem Erzieherinnen. Diese Herausforderung stellt fĂŒr sie eine scheinbar unlösbare Aufgabe dar. Als ob es nicht schon schwierig genug wĂ€re, ab jetzt Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen. Nein, die Betroffenen sollen Frischerlerntes auch noch vor den unbekannten MitschĂŒlern und Lehrern prĂ€sentieren


WĂ€hrend des Unterrichts flĂŒstert ein MĂ€dchen ihrer Nachbarin etwas ins Ohr

Und so nimmt das Übel seinen Lauf. HĂ€ufig haben die Kinder zu Beginn das GlĂŒck, von ihren MitschĂŒlern unterstĂŒtzt zu werden. So gibt es in der Klasse einen guten Freund oder eine gute Freundin, die als Sprachrohr benutzt werden kann. Was aber, wenn nicht? Die Anforderungen steigen. Es soll vor der Klasse vorgelesen, ein Gedicht vorgetragen, gemeinsam ein Lied gesungen oder gar eine mĂŒndliche Leistungskontrolle bewĂ€ltigt werden. SpĂ€testens dann werden die Eltern zum ersten Mal in die Schule zum GesprĂ€ch eingeladen, weil eben genau das nicht funktioniert. Im weiteren Verlauf der Schullaufbahn kommt es möglicherweise dazu, dass sich die Betroffenen zwar mit einigen Gleichaltrigen unterhalten können, aber weiterhin vor den Lehrern verstummen. Nicht selten erleben Therapeuten, dass dieses Verhalten persönlich genommen und von den PĂ€dagogen als „trotzig“, „ungezogen“ oder gar „hinterhĂ€ltig“ empfunden wird.

Ein MĂ€dchen steht traurig mit gesenktem Kopf vor einer Tafel im Unterrichtsraum

Alles auf einen Blick­

Medien­bibliothek

Videos, Podcasts, BĂŒcherempfehlungen - alle Medien zum Thema Mutismus findet ihr auf unserer Medienseite. ZusĂ€tzlich bieten wir euch auch Informationsmaterial zum Download an.

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Nachteils­ausgleich -
ja oder nein?

MĂŒndliche Leistungen können nicht adĂ€quat bewertet werden, die LehrkrĂ€fte wissen nicht, wie sie die SchĂŒler ĂŒberhaupt beurteilen sollen. Das in der Elternberatung vieldiskutierte Hauptproblem. Oder nicht?

Schließlich ĂŒbertrĂ€gt sich die angstbedingte Kommunikationsstörung nicht selten auch auf den schriftlichen Bereich, da die Betroffenen ausfĂŒhrliche Stellungnahmen verweigern aus Angst, nicht „das Richtige“ zu schreiben. Die Hilflosigkeit, Frustration, leider aber auch die persönliche Abneigung auf beiden Seiten steigt. Oft bis zum UnertrĂ€glichen.

SpĂ€testens jetzt kommt der Nachteilsausgleich ins Spiel. Oder vielleicht sogar die Unterrichtsassistenz. Es wird vorgeschlagen, die Benotung des MĂŒndlichen abzusetzen oder das Kind von einer Hilfsperson begleiten zu lassen, mit der in der Regel auch nicht gesprochen wird, weil sie eine Fremde ist. Gleichzeitig wird auf eine AbschwĂ€chung und Überwindung des Störungsbildes gesetzt. Bei den Eltern, den Lehrern und den Betroffenen selbst. HinfĂŒhrung zur SelbstĂ€ndigkeit durch pĂ€dagogisch initiierte UnselbstĂ€ndigkeit. Kann das gelingen?

In der Fachzeitschrift Mutismus.de, Ausgabe 22 Sonderheft V Mutismus und Schule, finden Eltern, Lehrer und Therapeuten ausfĂŒhrliche Antworten auf alle schulrelevanten Fragen bei Mutismus im Unterrichtskontext.

Wie pĂ€dagogische FachkrĂ€fte das Kind in Kita und Schule unterstĂŒtzen können

Empfehlungen des ZEL Heidelberg

 

  • Wichtig ist, dass das Kind gerne in den Kindergarten und in die Schule geht.
  • Haben Sie keine Angst vor dem Schweigen. Versuchen Sie so gelassen wie möglich damit umzugehen.
  • Akzeptieren Sie das Kind mit seinem momentanen Verhalten und versuchen Sie nicht, aus dem Kind Sprache heraus zu locken.
  • Setzen Sie das Kind nicht unter Druck. Fordern Sie es nicht zum Sprechen auf.
  • Erwarten Sie nicht von sich, dass Sie diejenige Person sind, bei der das Kind spricht.
  • Beobachten Sie, wann das Kind entspannt wirkt und aus welchen Situationen es sich zurĂŒckzieht. Was kann das Kind gut, in welchen Bereichen braucht es dagegen UnterstĂŒtzung?
  • Reagieren Sie zugewandt und interessiert auf nonverbale Kommunikation des Kindes wie Zeigen, Mimik, Gestik und Körperkontakt.
  • Versuchen Sie, das Kind so gut wie möglich in GruppenaktivitĂ€ten einzubinden.
  • Treffen Sie mit dem Kind eine Vereinbarung ĂŒber Ihre gemeinsame Kommunikation, die es dem Kind ermöglicht, Ihnen etwas mitzuteilen, ohne dass es sprechen muss.
  • Bieten Sie dem Kind Hilfsmittel zur Kommunikation an, (Symbolkarten, Gesten, schriftliche Mitteilungen) und sprechen sie dabei weiterhin in gewohnter Weise mit dem Kind.
  • UnterstĂŒtzen Sie das Kind in seiner Kommunikation durch gemeinsames abwechselndes Handeln, zum Beispiel Ball spielen, gemeinsam Bauen, zusammen Tischdecken ("Du teilst die Teller aus, ich die Löffel.")
  • Bieten Sie dem Kind Spiele mit GerĂ€uschen und Klatschen an. Binden Sie andere Kinder mit ein, indem z.B. ein Lied von allen Kindern gesummt statt gesungen wird oder in einem Spiel jedes Kind ein Tier imitiert.
  • UnterschĂ€tzen Sie das schweigende Kind nicht: Seine AktivitĂ€t liegt zum Teil im sehr genauen Beobachten und Zuhören. Finden Sie heraus, wo die Interessen des Kindes liegen, um ihm ein passendes Spielangebot zu machen.
  • Vermeiden Sie ĂŒbermĂ€ĂŸige Aufmerksamkeit, wenn das Kind sein Schweigen unterbricht und GerĂ€usche macht oder sogar spricht. Denn das Kind möchte nicht im Mittelpunkt stehen. Reagieren Sie auf die Äußerung des Kindes möglichst unaufgeregt.
  • Vermitteln Sie, wenn andere Kinder das Schweigen des Kindes interpretieren, z.B. "Sarah kann gar nicht sprechen." Ihre Antwort könnte sein: "Sarah kann sprechen, sie spricht zuhause mit Ihren Eltern."
  • Tauschen Sie sich regelmĂ€ĂŸig mit den Eltern aus, ohne dass das Kind zuhört. Arbeiten Sie mit den Eltern und gegebenenfalls mit der/dem Therapeut/in in des Kindes zusammen.
  • Ihr Verhalten sollte von der optimistischen Grundhaltung getragen sein, dass das schweigende Kind sprechen möchte und diesen Entwicklungsschritt auch bewĂ€ltigen wird. Dabei hilft ihm Ihre UnterstĂŒtzung. Die Therapie ist Aufgabe der/des Therapeut/in.

Wenn das Kind nicht spricht

Mit freundlicher UnterstĂŒtzung von Simon

In diesem Video erklÀrt Simon vom Erzieherkanal.de wie pÀdagogische FachkrÀfte mit selektiven Mutismus umgehen können.

Mutismus.de

Die Fachzeitschrift

vom Mutismus Selbsthilfe Deutschland e.V.

Mutismus.de ist die erste Fachzeitschrift zum Thema Mutismus sowohl im deutschsprachigen Raum als auch in Europa und wird von unserem Verein herausgegeben.

Inhaltlich wird die Zeitschrift von Therapeuten und Dozenten gestaltet und bietet jedem, den das Thema Mutismus betrifft oder interessiert, eine aktuelle Zusammenstellung von Therapiekonzeptionen, biografischen Erlebnissen, neuen ForschungsansÀtzen, Handlungs- und Literaturempfehlungen.

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Die Mutismus-Tagung

JĂ€hrlich lĂ€dt unser Verein zum Event Mutismus-Tagung LogopĂ€den, Psychologen, Ärzte, PĂ€dagogen, Betroffene & Angehörige sowie alle Interessierten zum Erfahrungsaustausch ein. Am Vormittag erwarten euch spannende VortrĂ€ge namhafter Referenten. Die Diskussions- und Fragerunden am Nachmittag sind sehr beliebt und runden den Tag ab. Teilnehmer aus Fachbereichen erhalten Weiterbildungspunkte. Es gibt wohl kaum eine Tagung zum Thema Mutismus, bei der so viele verschiedene Fachrichtungen miteinander kommunizieren. Bisher haben weit ĂŒber 1.000 Interessenten an unseren Mutismus-Tagungen in Köln, MĂŒnchen, Hamburg, Berlin und Online teilgenommen.

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Der Discord-Kanal unseres Vereins ersetzt das ehemalige Mutismus-Forum.

 

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Je frĂŒher Kinder mit Hilfe einer auf Mutismus spezialisierten Therapie beginnen, desto grĂ¶ĂŸer ist die Chance, dass sie es schaffen, ihr Schweigen zu ĂŒberwinden.
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