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Beitragvon Engelchen24 » 31.03.2017, 10:24

Hallo alle miteinander 8) ,

ich heiße Janine und bin 22 Jahre alt.
Vor 12 Jahren wurden bei mir der selektive Mutismus, sozial Phobie und eine emotionale Störung diagnostiziert.

Seitdem habe ich einige Logopädien hinter mir und bin 3 Mal zur Kur gefahren. Zur Zeit mache ich eine Ausbildung zur Bürokauffrau in einem Berufsbildungswerk, gehe dort einmal in der Woche zur Psychologin und vor kurzem fing ich eine Mutismus-Therapie an.

Im Gegensatz zu früher hat sich schon einiges verbessert, doch ich merke auch heute noch, dass ich manchmal recht schnell an meine Grenzen stoße, an denen ich noch arbeiten möchte.

Das wär´s erstmal von mir :wink: wenn jemand zu meiner Person noch Fragen hat, dann beantworte ich diese gerne.

Herzliche Grüße Janine
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Re: Guten Tag :)

Beitragvon Schlusi » 01.04.2017, 16:22

Hallo Janine,

herzlich Willkommen hier. :)

Das klingt doch schon mal alles recht positiv.

Magst Du noch genauer berichten, wie es Dir mit der Ausbildung in einem Berufsbildungswerk so ergeht?

Die meisten hier haben keine genauen Vorstellungen davon, wie das dort so abläuft und wie die Betreffenden diese Möglichkeit selbst empfinden.
Ob sie froh über diese Möglichkeit sind oder ob es eher ihr Selbstbewusstsein schädigt, weil es eben eine Integrationsmaßnahme für Behinderte ist.
Ich selbst weiß auch nur, dass es diese Möglichkeit für Menschen mit verschiedenen Behinderungen/Beeinträchtigungen und Handikaps gibt.

Es ist so, dass hier im Forum öfter kontrovers diskutiert wird, ob Mutismus überhaupt wirklich eine Behinderung darstellt.
Ebenso wird hier öfter diskutiert, ob es deshalb nicht eigentlich auch unpassend ist in einem Berufsbildungswerk eine Ausbildung zu machen.
Für das Selbstbewusstsein besser passend sei es lieber gleich auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Ausbildung zu machen.
Und falls dies wegen des Mutismus noch nicht möglich ist, sollte man eben erst nur Mutismus-Therapie machen bis diese so erfolgreich ist, dass man eben auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Ausbildung anstreben kann.

Ich selbst habe so die theoretische Auffassung, dass ein Berufsbildungswerk durchaus passend ist und dass dann von dort aus im Verlauf eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt möglich ist und parallel dann eben von Anfang an auch Therapie- und Förderangebote laufen, so dass man eben durch diese Unterstützung eine Ausbildung überhaupt auch erst bewältigen kann und so die Möglichkeit hat Therapieziele auch gleich im Ausbildungsalltag anzustreben. Dies wäre ja nicht möglich, wenn man nur Therapie macht und ansonsten keine Ausbildung hat, auch keine Alltagsstruktur, da man ja nach Beendigung der Schulpflicht auch meist nicht mehr zur Schule geht.

Sehe ich das verkehrt oder wie läuft das bei Dir und was denkst Du so darüber?

LG Schlusi :)
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Re: Guten Tag :)

Beitragvon Engelchen24 » 03.04.2017, 08:27

Schlusi hat geschrieben:Hallo Janine,

herzlich Willkommen hier. :)

Das klingt doch schon mal alles recht positiv.

Magst Du noch genauer berichten, wie es Dir mit der Ausbildung in einem Berufsbildungswerk so ergeht?

Die meisten hier haben keine genauen Vorstellungen davon, wie das dort so abläuft und wie die Betreffenden diese Möglichkeit selbst empfinden.
Ob sie froh über diese Möglichkeit sind oder ob es eher ihr Selbstbewusstsein schädigt, weil es eben eine Integrationsmaßnahme für Behinderte ist.
Ich selbst weiß auch nur, dass es diese Möglichkeit für Menschen mit verschiedenen Behinderungen/Beeinträchtigungen und Handikaps gibt.

Es ist so, dass hier im Forum öfter kontrovers diskutiert wird, ob Mutismus überhaupt wirklich eine Behinderung darstellt.
Ebenso wird hier öfter diskutiert, ob es deshalb nicht eigentlich auch unpassend ist in einem Berufsbildungswerk eine Ausbildung zu machen.
Für das Selbstbewusstsein besser passend sei es lieber gleich auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Ausbildung zu machen.
Und falls dies wegen des Mutismus noch nicht möglich ist, sollte man eben erst nur Mutismus-Therapie machen bis diese so erfolgreich ist, dass man eben auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Ausbildung anstreben kann.

Ich selbst habe so die theoretische Auffassung, dass ein Berufsbildungswerk durchaus passend ist und dass dann von dort aus im Verlauf eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt möglich ist und parallel dann eben von Anfang an auch Therapie- und Förderangebote laufen, so dass man eben durch diese Unterstützung eine Ausbildung überhaupt auch erst bewältigen kann und so die Möglichkeit hat Therapieziele auch gleich im Ausbildungsalltag anzustreben. Dies wäre ja nicht möglich, wenn man nur Therapie macht und ansonsten keine Ausbildung hat, auch keine Alltagsstruktur, da man ja nach Beendigung der Schulpflicht auch meist nicht mehr zur Schule geht.

Sehe ich das verkehrt oder wie läuft das bei Dir und was denkst Du so darüber?

LG Schlusi :)



Guten Morgen Schlusi,

mir geht es mit der Ausbildung in einem Berufsbildungswerk sehr gut. :) Seit Anfang an habe ich eine Sozialpädagogin, die mir immer mit Rat und Tat zur Seite steht und mich zum Beispiel zu Terminen begleitet, in denen ich noch Unterstützung benötige. Ich gehe auch immer ein mal in der Woche zur Psychologin, was mir auch bisher wahnsinnig weitergeholfen hat.

Ich persönlich hätte es vermutlich nicht geschafft gleich auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Ausbildung zu machen, weil mir zu der Zeit einfach noch sehr viel Selbstbewusstsein fehlte und ich wirklich sehr wenig oder überhaupt nicht mit mir noch Fremden Personen sprach und es mir auch schwer fiel "nur" eine Mappe zu einer bestimmten Person zu bringen. Die Ausbildung findet in einem Großraumbüro statt und da fiel es mir am Anfang sogar schwer zum Drucker zu gehen oder meine Ausbilderin etwas zu fragen.
Wenn ich mir vorstelle, dass ich das alles auf dem ersten Arbeitsmarkt ohne großartiger Hilfe hätte bewältigen müssen, hätte ich es garantiert einfach nicht/noch nicht geschafft.

Aktuell bin ich ja 22 Jahre alt und merke, dass ich immer noch in recht vielen Situationen Unterstützung benötige, jedoch weiß ich auch, dass sich im Gegensatz zum Anfang der Ausbildung schon recht viel verbessert hat. Andere Personen sehen das eher, weil ich oft recht kritisch bin ^^

Durch die Mutismus-Therapie, die ich vor kurzem Anfing kann ich auch weiter an einiges arbeiten. Zum Beispiel fällt es mir sehr schwer zu telefonieren. Aus diesem Grund gehe ich in der Ausbildung, wenn das Telefon klingelt, auch nicht ran, obwohl ich schon manchmal gerne rangehen möchte, aber dann geht meistens schon ein anderer Azubi schon zum Telefon.

Als ich mal ganz alleine in der Abteilung saß, bin ich schon ans Telefon rangegangen und es hatte sich eigentlich recht gut angefühlt, diesen Schritt geschafft zu haben. :)

Mehr fällt mir jetzt erst Mal nicht ein. :D
Herzliche Grüße Janine

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Re: Guten Tag :)

Beitragvon Schlusi » 03.04.2017, 09:44

Hallo Janine,

Danke Dir, dass Du etwas ausführlicher geschrieben hast.
Das finde ich ja gut, dass es Dir mit dieser Ausbildung gefällt und Du weiter gut dazulernen kannst.

Durch die Mutismus-Therapie, die ich vor kurzem Anfing kann ich auch weiter an einiges arbeiten. Zum Beispiel fällt es mir sehr schwer zu telefonieren. Aus diesem Grund gehe ich in der Ausbildung, wenn das Telefon klingelt, auch nicht ran, obwohl ich schon manchmal gerne rangehen möchte, aber dann geht meistens schon ein anderer Azubi schon zum Telefon.

Als ich mal ganz alleine in der Abteilung saß, bin ich schon ans Telefon rangegangen und es hatte sich eigentlich recht gut angefühlt, diesen Schritt geschafft zu haben. :)

Ja, das mit dem telefonieren kann ich sehr gut nachvollziehen. Eigentlich bin ich ja Mutter einer mutistischen Tochter und nicht selbst betroffen. Aber als ich damals mit zwanzig Jahren in der Ausbildung war, konnte ich auch noch nicht telefonieren. Die Bürovorsteherin hat mich dann langsam da heran geführt. Als ich mich daran gewöhnt hatte, fiel es mir wesentlich leichter, aber so richtig toll finde ich das bis heute nicht. Für mich ist es schwer, weil ich immer das Gefühl habe, dass ich mich nicht ausreichend genug auf ein Gespräch vorbereiten kann. Geholfen hat mir dann dabei aber, dass ich einige Telefonate auf später verschieben konnte, wenn ich wusste, was derjenige für Fragen hatte und ich für die Abklärung dieser Fragen eh noch Infos einholen musste, die Akte suchen musste, etc. Damit ging es mir dann besser. Die Leute konnten sich aber auf mich verlassen, dass ich mich kümmere und so ließen sie sich gut vertrösten und riefen später noch einmal an oder ich habe zurück gerufen. Heutzutage weiß man ja oft sogar durch die Telefonnummernanzeige, wer da gerade anruft und kann sich schon mal etwas darauf einstimmen.

Wünsche Dir weiter viel Erfolg!

Schlusi :)
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Re: Guten Tag :)

Beitragvon Engelchen24 » 03.04.2017, 10:24

Hallo Schlusi,

meine Ausbilderin hat am Anfang der Ausbildung mit mir gemeckert, immer wenn ich nie ans Telefon ging. Sie meinte dann sogar mal, dass ich den falschen Beruf gewählt habe. Für Sie waren auch so psychische Beeinträchtigungen kein Grund sich krankschreiben zu lassen.

Nach einiger Zeit hat Sie sich vermutlich daran gewöhnt und meckerte dann auch nicht mehr, sondern sagte nichts mehr dazu.
Herzliche Grüße Janine

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Re: Guten Tag :)

Beitragvon Schlusi » 03.04.2017, 12:36

Hallo Janine,

es ist ja so, dass die meisten sich das nicht vorstellen können und dann vorschnell urteilen.
Ich habe damals in einem kleinen Anwaltsbüro eine Ausbildung gemacht und so war es in dieser kleinen Gemeinschaft fast unmöglich sich zu verstellen, etwas zu vertuschen oder sich raus zu ziehen. Da musste jeder alles machen und man hat sich zwangsläufig auch genauer kennen gelernt. Meine Schwächen wurden schon relativ schnell bemerkt, leider. Andererseits auch meine Stärken. Ich konnte mir gut Zahlen, sprich Beträge merken und wenn Zahlungseingänge erfolgten ohne genauere Angaben und das Aktenzeichen fehlte, dann konnte ich das oftmals dennoch zuordnen, weil ich die Beträge immer mit der entsprechenden Akte in meinem Kopf gut verknüpfen konnte. Das hat mir damals geholfen, dass ich auch Stärken hatte. Und so haben die sich dann auch überlegt, wie sie mir bei meinen Schwächen weiterhelfen können. Wenn man so will, war das damals Integration/Inklusion. Die meisten sind es ja gar nicht gewohnt die Menschen mit ihren Stärken und Schwächen zu integrieren, weil der Schulalltag eigentlich so abläuft, dass alle sozusagen genormt werden. Und dann wird im Arbeitsleben verlangt und erwartet, dass man für alle Aufgaben gleich geeignet ist. Keiner kann aber von vornherein alles gleich gut.

Schlusi :)
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Re: Guten Tag :)

Beitragvon Engelchen24 » 03.04.2017, 13:34

Hallo Schlusi,

das stimmt. Leider wissen viel zu wenige über Mutismus bescheid und dann kommen manchmal solche Äußerungen wie "Ach, hab dich mal nicht so" oder "Das schaffst du schon" nur weil es denjenigen nicht schwer fällt.
Aber was dem einen leicht fällt, muss nicht gleich dem nächsten auch genauso leicht fallen. :wink:

Als ich noch auf die Realschule ging waren die Fächer Mathe, Deutsch, Englisch und Chemie jeweils in A und B-Kurse eingeteilt. In die A-Kurse kamen diejenigen, die das nicht ganz so gut konnten und in die B-Kurse jeweils die, die (ich sage mal) besser waren.
Im Endeffekt war ich in allen 4 Fächern in B-Kursen, doch eine Englischlehrerin, die recht streng war (die wir zum Glück nicht immer hatten, die im B-Kurs jedoch schon) war strikt dagegen, dass ich im Englischunterricht in den B-Kurs komme, weil ich mich im Unterricht auch nie meldete oder nur ganz ganz ganz selten mit den Lehrern sprach.
Sie meinte sogar mal zu mir, dass sie dafür sorgen wird, dass ich im A-Kurs bleiben werde. Doch letztendlich kam ich doch in den B-Kurs. :)
Herzliche Grüße Janine

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Re: Guten Tag :)

Beitragvon Schlusi » 04.04.2017, 12:24

Sie meinte sogar mal zu mir, dass sie dafür sorgen wird, dass ich im A-Kurs bleiben werde. Doch letztendlich kam ich doch in den B-Kurs. :)

Super, hast Du Glück gehabt bzw. die richtigen Menschen haben evtl. dafür gesorgt, dass diese komische Englischlehrerin mit ihrem Plan nicht durchgekommen ist. :D
Es ist leider manchmal so, dass gewisse Menschen meinen, sie müssten einen Kampf gegen Menschen, die anders sind, ausfechten. Warum auch immer die so denken. Ich weiß es nicht. :roll:

Schlusi :)
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